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Die Menschen
Viel hatten wir schon gehört von der Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Lucanier. Was wir aber erlebt haben, übertrifft alles, was wir uns vorstellen konnten. Wenn auch die Landschaft, obschon wunderschön, nicht mit L`Abruzzo mithalten kann, haben wir in den etwas über zwei Wochen so viel menschliche Wärme gespürt, wie selten. Wohin wir auch kamen - immer waren wir willkommen, immer bekamen wir Hilfe, wenn wir sie brauchten und immer spürten wir, daß wir, in den kurzen Momenten, in denen wir an einem Ort waren, dazugehörten.
Glücklicherweise sprechen wir ein paar Brocken Italienisch, sonst hätten wir vieles von der Herzlichkeit gar nicht mitbekommen.






Die Menschen der Basilicata haben wir in unser Herz geschlossen!
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Anreise
Wie im vorigen Jahr fahren wir mit dem Auto von Dresden nach München. Die Räder sind wieder gut verpackt und wir holen sie ohne Schaden in München aus dem Auto. Der Parkplatz in einem Hotel in der Nähe des Flughafens ist schon lange gebucht und weil es noch früh im Jahr ist, gibt es sogar noch einen Platz in der Tiefgarage.

Glücklicherweise (denken wir) haben wir unseren Urlaubsbeginn an den Anfang der Woche gelegt; da sind die Züge nicht so voll, und wir können die Nacht liegend im Abteil verbringen (denken wir). aber wir haben die Rechnung ohne die Vulkanasche gemacht. Die geistert nämlich über dem Münchner Himmel und verursacht ein Flugverbot. Und wahrscheinlich wären an diesem Tag alle Flieger nach Rom unterwegs gewesen - der Zug jedenfalls ist rappelvoll.

Die Nacht vergeht, die Alpen überqueren wir schlafend und in Rom erwartet uns durchwachsenes Wetter. Zum Anschluß nach Neapel haben wir noch genügend Zeit (denken wir), doch am Fahrkartenschalter steht wie immer halb Italien an. Wir weichen aus und nutzen die Fahrkartenautomaten.
Das erweist sich als schwieriger, als gedacht. Eine freundliche Junge Frau hilft uns beim lösen der Fahrkarten, doch nachdem ich fast € 80,- eingeworfen habe und auch eine Fahrkarte aus dem Automatenschlitz kommt, wachsen die Zweifel. Von bicciclette steht da nichts drauf. Das sei so in Ordnung, meint die Helferin, kassiert ihr Trinkgeld und ist weg. Vorsichtshalber frage ich einen Bahnangestellten, doch der meint, es wäre der falsche Zug - der nimmt keine Räder mit. Also stelle ich mich doch in die Schlange und gerade noch rechtzeitig erhalte ich dieTickets und spare noch die Hälfte Geld.
Knappes Umsteigen in Neapel, knappes Umsteigen in Salerno in einen sehr alten Zug nach Potenza. Egal - er fährt, wenn auch das Rolltor im Fahrradabteil ständig aufgeht und ich immer bei den Rädern bleiben muß, damit sie nicht hinausfallen.. Er fährt, aber nur bis in einen langen Tunnel. Dann geht nichts mehr. Irgendwann setzt sich der Zug doch wieder in Bewegung, so daß wir wieder Tageslicht erreichen. Dann ist scheinbar endgültig Schluß. Der eben noch freundliche Schaffner geht mit ernster Mine hin und her und der macchinista stürzt aufgelöst durch die Waggons und versucht verschiedene Hebel und Schalter zu betätigen. Es knallt immer wieder laut und plötzlich rollt der Zug bergab zurück. Irgendwie gelingt es , die Bremsen zu betätigen. Erleichterung macht sich breit. Nach einem sehr lauten Knall endlich springt der Lockführer mit erhobenem Daumen und breitem Grinsen durch den Zug, und tatsächlich schaffen wir die letzten 10 km bis Potenza Centrale.
Jetzt kommt unser neues GARMIN-Navi zum ersten Mal zu Einsatz. Mit ihm finden wir schnell - obwohl es uns einmal ca. 50 Höhenmeter Treppenstufen nach oben schicken wollte - die Pensione Europa. Die besteht aus einem Zimmer, für das sich die Preise auf € 55,- erhöht haben. Meine Verhandlungen mit dem Vermieter haben Erfolg: Wenn er helfen darf, das Gepäck und die Räder nach oben zu bringen, geht er auf € 50,- . Ich möchte ihn nicht ausnutzen und sage, daß ich das selbst mache - “dann € 55,-” . Am Ende einigen wir uns auf Helfen und € 50,- .
Keine tolle Unterkunft, aber es ist Potenza (denken wir).
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Potenza - Calvello

Endlich geht es los. Wir stehen 8:00 auf - Frühstück gibt es in der Pension nicht - und packen unsere Sachen. In der Bar um die Ecke gibt es lecker foccacia und cappucino und dann leitet uns das Navi schnell aus der Stadt. Ohne Navi haben wir immer sehr lange gebraucht um auf die Strecke zu kommen. In Potenza ist es recht ungemütlich zu fahren, doch nachdem wir die SS 92 verlassen haben, wird es ruhig und die Landschaft beginnt. In Pignola gibt es köstliche Erdbeeren aus der Region - so etwas Feines haben wir während der ganzen Reise nicht mehr gehabt.
Gegen 15:00 sind wir in Abriola und bekommen einen ersten Eindruck von der Freundlichkeit der Lucanischen Menschen. eine alte Frau spricht uns an und fragt nach dem Woher und Wohin und erklärt uns, daß sie auch gern radfahren würde, aber die Beine ...

Ein junger Mann erklärt uns immer wieder den Weg nach Calvello und fragt schließlich, ob wir einen caffè trinken möchten. Ja, aber die Bar ist eigentlich geschlossen. Wir dürfen trotzdem hinein und als es an das Bezahlen geht, setzt der übliche Dialog in einer Italienischen Bar ein: “Quant`è? No - pago io! usw. Mit guten Wünschen für die Fahrt machen wir uns auf den Weg. Ein leichter Schauer ereilt uns, doch wir können uns unterstellen. Nach 10 Minuten ist es vorbei und wir erreichen unser heutiges Ziel Calvello. Das Hotel ist schnell gefunden, doch das Einchecken dauert etwas, weil der Besitzer noch nicht da ist. Das Hotel ist nahezu leer und auch beim Abendessen sind nur wir und eine Damengesellschaft da.


“il Volturino di Villani” DZ € 50,-, Abendessen € 35,- (war ok.)
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Calvello - Grumento
7:00 klingelt der Wecker und der Blick aus dem Fenster verspricht einen schönen Tag. Nach dem Frühstück in der Bar gleich am Hotel und dem Einkauf im Alimentari nebenan schickt uns das Navi eine Abkürzung. Kürzer als der Weg auf der regulären Straße ist es schon, aber es ist ein Schotterweg, der zum Schluß noch richtig steil wird.

Zurück auf der strada provinciale geht es dann allmählich bergauf bis auf 1340 m. Dann fahren wir abwärts bis Marsicovetere - kein besonderes Highlight, aber cafè gibt es . Vorher besuchen wir noch ein verlassenes Kloster. Weiter geht es auf der SP bis
Val d'Agri und dann wird es flach. In Grumento suchen wir das Agriturismo “Parco Verde” und müssen dazu runter bis ins Agrital um dann noch einen kleinen Anstieg zu bewältigen.

Dann finden wir einen scheinbar verlassenen Zeltplatz. Ein älterer Herr meint, daß wir unser Zelt hier ruhig aufbauen können. Wir suchen aber noch etwas und stehen plötzlich vor der ältesten Eiche der Basilicata - 600 Jahre ist sie alt, wie wir später erfahren. Eigentlich könnten wir ein Zimmer mieten, doch unter der “Mutter aller Lucanischen Eichen” wollen wir unser Zelt aufschlagen.

Alle otto gibt es, wie fast immer, Abendessen - und was für eines: Einen Merlot, Carpaccio vom Schwein auf Ananas, Pecorino mit kandierten Weintrauben, Roulade vom Schwein auf Erbspürrè, Melanzane gegrillt in Öl, Calatello und Salsicce, Borlottibohnen in Öl gekocht mit Zitrone (Tabachino), Ricotta dura vom Schaf, Maccheroni al feretto con Ragu Lucano.

Und zum Abschluß gab es noch einen köstlichen Dessertwein mit Zimt. Der Wirt erklärte, daß er den Wein bis nach New York verkaufen würde. Und das es so etwas auch in Deutschland gäbe - er wüßte nur den Namen nicht. Ich sagte vorsichtig “Glühwein?” “Richtig, Gluhwein” Na ja, das Zeug war deutlich köstlicher, als “Gluhwein”
Agriturismo ” Parco Verde” Zeltplatz € 8,-, Abendessen € 55,- (lecker)
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Grumento - Lagonegro
Die Nacht war sternenklar und entsprechend kühl ist es am Morgen. Auch das Zelt ist feucht und weil wir unter der Mutter aller Eichen der Basilicata stehen, können die Sonnenstrahlen vom blauen Himmel es nicht trocknen. Zum Frühstück gibt es selbstgebackene Biscotti von der Nonna des Hauses und dann geht es zur Ausgrabung von Grumentum. Leider ist noch geschlossen und wir wollen nicht bis 10:00 warten, denn wir haben einige Höhenmeter vor uns.

Auf der SS 103 fahren wir bei kräftigem Gegenwind bis Moliterno. Dann geht es links ab auf die SP 26 und uns erwarten 25 km Einsamkeit, Blumen und ein permanenter Anstieg. Sechs Autos sind der gesamte Verkehr, der uns in dieser Zeit “belästigt”.

Auf dem Gipfel des letzten Anstiegs vor Lagonegro, als wir die Ausblicke in die Landschaft genießen, spricht uns ein Schäfer an. Er erklärt uns, daß seine Hunde uns nichts tun, wenn wir nicht an die Tiere der Herde gehen. Sie drohen nur mit ihrem Gebell. Aber beängstigend ist doch. Er hilft mir, meine Pfeife in dem Wind anzuzünden und dann verabschiedet er sich mit einer Empfehlung für ein 5-Sterne-Hotel in Lagonegro.


B&B Hotel Caimo, DZ: € 55,- Abendessen: Supermarkt
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Lagonegro - Tortora
Eine einfache Etappe erwartet uns heute; es wird fast nur bergab gehen. Deshalb genügt es, wenn wir erst 8:00 aufstehen und das kärgliche Hotelfrühstück zu uns nehmen.
Auf der SS 585 geht es unspektakulär bis kurz vor Trecchina. Dann wird die Strecke angenehmer. Es geht 350 m aufwärts und 13:30 der erste Blick auf das Tyrrhenische Meer. Ein überwältigender Anblick - eben noch mitten im Gebirge und inmitten von Eichenwäldern liegt jetzt die Küste mit ihren felsigen Stränden und Inseln vor uns. Der Blick reicht bis nach Calabrien hinein. Mit vom Bremsen schmerzenden Händen fahren wir hinab auf die Küstenstraße, die uns zum Zeltplatz von Castrocucco, unserem heutigen Ziel, bringen soll.

Nach einer herrlichen Fahrt auf der SS18, immer die Küstenlinie entlang, erreichen wir am Nachmittag den Zeltplatz. Die Enttäuschung ist groß: Chiuso! Nichts da mit einer Nacht mit Meeresrauschen und morgendlichem Bad im Mittelmeer. Aber wir werden noch dankbar sein, daß das nicht geklappt hat.

Auch das gibt es in Süditalien: Der einzige Radweg auf unserer Reise. Aber nur zwei km.
Affittacamere "Zia Teresa" DZ € 30,-
Abendessen Supermarkt
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Tortora - Tortora
Es war eine schlimme Nacht. Die Mücken haben gestochen, als wäre der jüngste Tag. 4:00 kracht es und ein Gewitter bricht los. Keine guten Aussichten für den Tag. 8:00 sind die Räder bepackt, aber wir wissen nicht, ob wir losfahren sollen. Der Himmel nimmt uns die Entscheidung ab. Es schüttet wieder. So geht das jetzt immer im Wechsel: 10 Minuten Wolkenbruch, 10 Minuten regenfrei, 5 Minuten Sonne .Wir gehen erst einmal einkaufen. Unterwegs fragen wir in einem Büro mit PC, ob wir mal nach dem Wetter für Morgen schauen dürfen. Wir dürfen: Wolkig, aber kein Regen. Das sieht gut aus. Wir laden unsere Einkäufe ab, schauen zum Himmel und entschließen uns gegen Mittag zu einer kleinen Tour nach Tortora superiore. So bleiben wir im Rhythmus; nur die Packtaschen fehlen. Das merken wir ziemlich bald, denn die Vorderräder schlackern ganz schön bei der ungewohnten Leichtigkeit. Ein kurzer Schauer auf halber Strecke stört uns nicht. Doch im Centro Storico werden wir wieder daran erinnert, warum wir heute nicht wirklich unterwegs sind.

Tortora superiore ist ein netter Ort, der sicher nicht oft von Touristen besucht wird. Das merken wir auch daran, daß der Barista sehr lange braucht, um zu überlegen, wieviel er von uns für zwei cappuccino verlangen kann. Am Ende sind es drei Euro und als er meinen ungläubigen Blick bemerkt, entschließt er sich sogar zu einer Quittung.
Wir fahren wieder runter zum Meer und wollen noch ein wenig an den Strand in Pràia di Maare, aber der Sturm treibt uns wieder ins Zimmer. Der Ort selbst ist eine Touristenburg - schnell weg.

Wir dürfen uns im Hof des Hotels noch ein paar Zitronen pflücken. Der Saft macht sich ganz gut im Mineralwasser unterwegs. Es gibt ein wenig Geschmack und sauer macht ja bekanntlich lustig.
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Tortora - Lauria
Ein nächtlicher Sturm hat die Gewitterwolken vertrieben, so daß wir nach nur zwei Mückenstichen voller Tatendrang um 7:00 aufstehen. 8:00 sitzen wir in der Bar und erklären dem Barista, daß wir nicht mit dem Rad von Dresden nach Calabrien gefahren sind, sondern nur einen giro della Basilicata machen. Wir verlassen Calabrien wieder in Richtung Castrocucco wo wir auf die 588 abbiegen. erst geht es ein Stück eben und dann stetig bergauf. Aber das merken wir kaum, denn das gibt es wirklich: Starker Rückenwind beim Bergauffahren!! Und genau an einem Wartehäuschen ereilt uns das nächste Gewitter. Der Starkregen geht in Nieseln über und wir fahren mit unseren Regenumhängen und in Begleitung eines Hundes bis Parruta. Dort entschließen wir uns, höchstens noch bis Lauria zu fahren, weil es gar nicht aufhören will.

In Lauria herrscht das totale Verkehrschaos. Es ist Erstkommunion und alle Familien der Umgebung scheinen sich in Lauria zusammenzufinden - natürlich mit Auto. Wir müssen ganz hinauf in den Ort um zu dem Hotel zu gelangen, das wir uns ausgesucht haben. 12:00 sind wir da und Zimmer sind noch frei. Wahrscheinlich sind wir die einzigen Gäste. Kein Wunder; das Haus hat ein gewisses Ekelpotential: Es riecht überall nach Küche, die Zimmer sind vielleicht vor dreißig Jahren zum letzten Mal hergerichtet worden, die Toilette ist über den Gang, die funktionierende Dusche auch. Aber der Preis ist fast unschlagbar günstig. Wir richten uns ein und machen ein Nickerchen. Dann bummeln wir durch den Ort und erfahren sehr lautstark und ausgelassen, daß Milan Italienischer Meister geworden ist.

Wir nehmen noch einen cappuccino bevor wir zur Unterkunft gehen um zu Abend zu essen. Das Essen ist wenig spektakulär. Nicht wirklich schlecht, doch wir haben schon deutlich besser gegessen. Und teuer war es auch nicht.
Pensione “Vittoria”, DZ: € 27,-, Abendessen: € 25,-
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Lauria - Viggianello
Ein durchwachsener Morgen begrüßt uns mit wolkenverhangenem Himmel. Die Räder sind schnell pepackt und wir begeben uns zum Frühstück in die Bar an der Piazza. Es beginnt zu regnen. Vom Barista erfahren wir, daß es wohl besser wird, aber nicht viel wärmer. In den Bergen sind 20 cm Schnee gefallen. Na gut, so hoch hinauf wird es heute nicht gehen, doch als wir den Ort verlassen, spüren wir eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit - so um die 200% :-) Wir sind naß bis auf die Knochen, obwohl es gerade nicht regnet. Gegen 9:00 zeigen sich die ersten blauen Stellen am Himmel, aber Schauer werden uns noch eine ganze Weile begleiten. Der nächste glücklicherweise, als wir in einer Bar in Castelluccio einen Caffè nehmen.

Wir fahren in den Ort hinein und das Navi will uns zur “Pensione le Ginestre” einen steilen Berg hinaufschicken. Da spricht uns eine Frau an und fragt, wo wir herkommen. Wir erzählen Ihr, daß wir heute in Lauria losgefahren sind. “Ah, da haben wir Sie gesehen. Mein Mann und ich waren dort heute mit dem Auto unterwegs und wir haben uns gedacht, das können nur Holländer oder Deutsche sein.” Wo wir denn hin wollen, fragt sie noch. Zur “Pensione le Ginestre”. Das trifft sich gut, sagt sie, denn sie ist die Besitzerin der Pension. Perfetto! Das Navi lag falsch, denn wir stehen direkt vor der Pension. Und die Pension ist ein Traum.
Erst mal duschen und dann ab in den Ort. Vorher besprechen wir noch, daß wir in der Pension zu Abend essen können. Der Ort ist schön, aber steil am Berg gelegen. ‘Auf halbem Weg spricht uns eine ältere Frau an und läd uns zum caffè in Ihr Haus ein. Erst wollen wir nicht, aber sie bittet so sehr, daß wir es nicht abschlagen können. Etwas später kommt noch ihr Mann von der Arbeit heim und so wird es eine gemütliche und herzliche dreiviertel Stunde. Die Gastfreundschaft der Lucanier ist unglaublich!!!

Pensione “Le Ginestre”, DZ: € 50,-, Abendessen: € 30,- Lecker!!!!!
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Viggianello - Senise

Der erste Blick aus dem Fenster um 5:00 läßt mich gleich wieder im Bett verschwinden - nebbia totale. Doch zum Frühstück nach 7:00 lacht die Sonne und verspricht einen schönen Tag. Nach dem Frühstück bepacken wir die Räder und zum Abschied bekommen wir noch ein Küßchen von Giovanna. Dann geht es durch traumhafte Landschaften hinauf auf 985 m. Vorher - am Ortsausgang von Viggianello - haben wir uns noch einen Hund aufgelesen. Oder besser: Er hat uns aufgelesen. Der Hund schnüffelte an meinen Gepäcktaschen und weil ich ihn nicht verscheucht habe, wie das hier eigentlich jeder macht bei herrenlosen Hunden, meinte er wohl, daß wir jetzt zusammengehören.

18 km hat er uns begleitet. Haben wir Pause gemacht, hat auch er sich ausgeruht. Wenn irgendwo Wasser in der Nähe war, hat er hastig getrunken - aber immer mit Blick auf uns, damit er uns nicht verliert. Er tat uns sehr leid und wir wußten nicht, wie wir uns verhalten sollten.
Während der Abfahrt vom Paß hat er uns dann verloren. Das Tempo konnte er nicht mithalten. Wir haben noch lange an den Hund gedacht und immer wieder geschaut, ob er nicht doch noch einmal auftaucht.
Auf dem Paß steht eine Hütte mit kleiner Wirtschaft. Es ist aber niemand da. Nach einigen Minuten taucht ein Mann aus dem Wald auf mit herrlichen Steinpilzen. Cappuccino kann er uns machen, sagt er. Und weil wir am Tresen noch Wurst und Käse sehen, fragen wir, ob wir mal kosten dürfen. am ende haben wir ein verfrühtes Mittagessen auf dem Teller mit Brot, Schinken, Salsicce, Pecorino, Ricotta. Für alles und noch einen Zusatzcappuccino will er nur € 5,- und zwei Ansichtskarten gibt es noch gratis dazu.

Mit jedem Höhenmeter abwärts ins Sinni-Tal wird die Landschaft unspektakulärer. Wir fahren hinab bis auf 280 m. Unser Ziel für heute ist Francavilla. Dazu müssen wir auf die SS 653, eine 4-Spurige Superstrada. Es ist zwar nicht sehr reizvoll, aber wir können schön Kilometer machen. So entschließen wir uns, noch bis Senise zu fahren und so einen Teil der morgigen Etappe vorzuziehen. In Senise kehren wir erst einmal in einer Bar ein und der Barista zeigt uns den Weg zum Hotel. Es ist nur ein paar hundert Meter entfernt direkt am Lago di Monte Cotungno. Es liegt mitten in einem Gewerbegebiet und ist sehr teuer. Abendessen gibt es deshalb aus dem Supermarkt.

Hotel “Villa del Lago”, DZ: € 80,-
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Senise - Pisticci
Heute geht erst einmal fast nur bergab. Wir fahren wieder die SS 653 - immer am Lago di Monte Cotugno entlang - aber nicht lange. Nach 3,5 km verlassen wir die große Straße und biegen auf die nordwestwärts führende Straße nach
Sant `Arcàngelo. Die Straße ist so leer, daß man denken könnte, hier leben keine Menschen.(Es ist übrigens die Gegend, in der Carlo Levis Werk “Christus kam nur bis Eboli” spielt.) Und die Landschaft wird immer schöner. Wir fühlen uns in die Toscana - genauer die Crete - versetzt. Lehmhügel an Lehmhügel und manchmal ein colle verde, allerdings ohne Zypressen oder Pinien. Wir genießen den Vormittag, zumal es noch nicht heiß ist und Regen nicht in Sicht scheint.

Dann haben wir ein Erlebnis der dritten Art. Uns war schon lange aufgefallen, daß es in dieser Gegend außergewöhnlich viele und sehr große Kellerasseln gibt. Auf einer Kreuzung dann der Höhepunkt: Ich will kurz anhalten weil es beim Fahren so knirscht: Millionen von Asseln über- und durcheinander. Nur schnell weg von hier!

Unser nächstes Ziel ist Craco - die Geisterstadt. Schon aus der Ferne wirkt der Ort gespenstisch. Eigentlich ist das Betreten ja verboten, aber das sollte uns nicht stören. Kurz vor Craco zieht jedoch wieder schlimmes Wetter auf und wir entscheiden uns, erst morgen, wenn wir in die Lucanischen Dolomiten fahren, einen Abstecher zu machen. Jetzt versuchen wir in Pescheria, dem Ort der für die Einwohner von Craco gebaut wurde, ein Quartier zu finden. Aber was wir sehen, erschüttert uns: Der häßlichste Ort, den wir je in Italien gesehen haben.

So radeln wir weiter auf der SP 176 in Richtung Pisticci, denn da soll gleich ein Agriturismo sein. Es sind aber noch fast 10 km, doch es hat sich gelohnt. Wir finden uns in einem sehr schönen Ambiente. Und Tiere sind auch zahlreich vertreten: Hunde Katzen, Pferde Esel, Kühe, Hühner, Schafe.. . vielleicht gibt es heute Abend etwas davon zu Essen. Das Abendessen war dann aber doch eher mäßig. Jedenfalls haben wir hier endgültig verstanden, daß agnello in Lucanien anders zubereitet wird, als in Abruzzo.
Der Regen ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten - alles richtig gemacht.
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Pisticci - Castelmezzano

4:00 Nachts schlägt mal wieder ein Unwetter los. Die Blitze und der Donner reißen uns aus dem Schlaf. Gut das es jetzt passiert - zum Vormittag hat sich bestimmt alles verzogen. Denkste! Auch nach dem Frühstück regnet es noch wie aus Eimern und das Himmelsgrau raubt uns jede Hoffnung. Und kalt ist es; ca 12 ...13 °C. Wir sind im Mezzogiorno. Das schlimmste aber ist: Craco können wir uns abschminken.
Wir schneiden uns zwei große Plastiktüten zu, die wir uns über die Oberkörper ziehen, denn richtige Regenkleidung haben wir nach Süditalien nicht mitgenommen. Wir haben auf die Softshelljacken vertraut. Die können aber dem Dauerregen nicht lange standhalten. Wir fahren die 176 nach Stazione di Pisticci in der Hoffnung, ein Zug möge uns zu den Lucanischen Dolomiten bringen. Es fährt auch in einer Stunde ein Zug zur Stazione Campomaggiore, aber der Zug ist ein Bus und Busse der Trenitalia befördern keine Bicci. Glück im Unglück: Es ist ein großer Reisebus eines Reiseunternehmens und der Fahrer verstaut die Räder im großen Gepäckfach unter dem Bus. Bezahlen darf ich nichts, denn der Fahrer hat keine Fahrkarten. Auch ein Trinkgeld will er nicht nehmen. Unter einer großen, den Regen abhaltenden Brücke der SS 407 läßt er uns aussteigen und wir haben nun die Wahl, nach Pietrapertosa oder Castelmezzano aufzusteigen. Es regnet. Ein Arbeiter empfiehlt uns den Weg nach Castelmezzano - er sei kürzer, aber gesperrt. Nachdem er uns versichert hat, daß er für das Wetter nichts könne und daß er so eine Kälte in dieser Jahreszeit noch nie erlebt hat, strampeln wir durch.

Die Straße ist tatsächlich wegen Steinschlages gesperrt. Das stört uns aber nicht weiter. Nach 500 Höhenmetern am Stück spielt uns das Navi noch einen Streich, denn es schlägt uns eine Abkürzung vor. Die erweist sich als endlose, steile Treppe. Ein wenig haben wir von dem Tag die Nase voll. Das Hotel, zu dem wir nur über eine Baustelle gelangen, ist geschlossen. Zum Glück gibt es noch ein zweites im Ort. Das ist zwar recht teuer, aber trocken und warm. Der Hotelangestellte fragt ob es warm genug für uns ist und dreht die Heizung auf. Bei 30 °C bitten wir um Gnade.
Alle Läden im Ort sind geschlossen, und so “müssen” wir wieder im Restaurant essen, obwohl das nicht wirklich ins Budget paßt. Aber lecker war es. Das Restaurant hat ein Zertifikat der Italienischen Slow-Food-Bewegung und das haben wir geschmeckt. Mit der Wäscheleine im Zimmer und mit zum trocknen ausgebreiteteten Klamotten schlafen wir mit der Hoffnung auf besseres Wetter ein.


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Castelmezzano - Campomaggiore

Es regnet nicht! Aber es ist lausig kalt. Später erfahren wir, daß es nur 6°C sind. Erst einmal lassen wir uns das vergleichsweise reichhaltige Frühstück schmecken bevor wir die Räder im Hotel bepacken. Alles ist gut trocken geworden. Wir entscheiden uns, nach Pietrapertosa zu fahren. Das heißt abfahren auf 500 m und wieder hinauf auf 1100 m. So können wir noch die Schönheiten der Lucanischen Dolomiten genießen, die kleiner sind, als wir gedacht hatten. In der Nacht sind noch ein paar Steine mehr auf die Straße gefallen. Uns stört das aber nicht, auch Autos kommen gut vorbei.
Dann kommt langsam das Seil des “Volo dell´Angelo” in Sicht. Konnten wir uns schon vorher nicht vorstellen, daß dieser “Flug” etwas für uns wäre, so sind wir jetzt ganz sicher, daß unsere Unterwäsche es nicht aushalten würde, hingen wir an diesem Seil.

Pietrapertosa ist ein hübscher Ort. Leider haben wir den Termin für die Baumhochzeit - eine Lucanische Tradition - nicht getroffen. Wir schieben durch den Ort, kaufen Briefmarken und werden von einer älteren Dame angesprochen. Wir sollten doch reinkommen und einen caffé trinken. Sie würde ihn spendieren. Uns ist es mal wieder unangenehm - so viel Gastfreundschaft sind wir einfach nicht gewöhnt - und lehnen ab. Ihr Sohn würde perfekt Deutsch sprechen, versucht sie uns zu überreden. Wir versprechen, nach unserem Rundgang wiederzukommen.
Auf der Piazzetta ist ein Stand mit Früchten und wir lernen, daß die köstlichen gelben Früchte mit der ledrigen Schale und den braunen Kernen Nespole sind und im Deutschen Mispeln heißen. Inzwischen wachsen bei uns zu Hause drei kleine Bäumchen davon.

Wir kehren zu dem Haus der älteren Dame zurück und bemerken jetzt erst, daß das ein Hotel ist: “Frantoio”. Jetzt kommt auch Nicola, der Wirt. Wir plaudern über das Wetter und die Lucanische Küche. Wir fragen Ihn, ob er uns einen Tipp geben kann, wo wir ein Lucanisches Kochbuch bekommen könnten. Er weiß es auch nicht, aber wir sollen ihm unsere Adresse geben geben. Er will uns eines schicken. Und als wir wieder zu Hause waren, war das Kochbuch schon da. Danke, Nicola!!! Zu Weihnachten haben wir eine Überraschung für Dich.
Mit feuchten Grüßen von oben verlassen wir Pietrapertosa und fahren hinunter ins Basentotal. Jetzt steht uns noch ein Anstieg auf 800 m nach Campomaggiore bevor. Die Straße windet sich in engen Serpentinen nach oben und wir sind erschöpft, als wir endlich im Ort sind. Ein Autofahrer hält an und fragt uns nach dem Woher und Wohin. Er freut sich sichtlich, denn - wie er sagt - spricht er seit 35 Jahren zum ersten Mal wieder Deutsch. Er wäre uns gern belilflich bei der Quartiersuche, aber wir haben uns schon eine Pension ausgesucht. Nur finden müssen wir sie noch. Wir müssen ganz nahe dran sein, doch wir können die Pension nicht finden. Ein freundlicher Herr - Rocco, wie er sich später vorstellt - zeigt uns das Haus. Es ist aber niemand da. “Ihr müßt in den Ort runter, da wohnen die Besitzer.” Rocco sieht mein ratloses Gesicht und bringt uns uns kurzentschlossen hin. Aber auch dort ist niemand zu Hause. Wir sollen es doch mal in einem Ippoturismo versuchen. Ein Stück begleitet er uns noch. Der Pferdehof ist schnell gefunden; wir sind bei der Ankunft schon daran vorbeigefahren.

In der Gaststube fragen wir nach einem Zimmer. Ob € 24,- zuviel wären - natürlich nicht! Die Wirtin läd mich in ihren betagten FIAT-Panda und versichert mir, daß ihr Mann ein richtiges Auto hat. Sie will mir das Zimmer im Ort zeigen, damit wir es auch finden. Es stellt sich heraus, daß wir ein ganzes Haus gemietet haben Die Familie ist umgezogen und das alte Haus steht leer.

Wieder zurück auf dem Pferdehof serviert man uns erst einmal Taralli, ein leckeres, knuspriges Gebäck mit Fenchel - ganz frisch gemacht und natürlich aufs Haus. Dann erzählt der marito der Wirtin, daß er Jäger und Trüffelsammler ist und zeigt uns seine Jagd- und Trüffelhunde. Einige sind frisch geschoren und frieren jämmerlich. Mit diesen Temperaturen rechnet hier niemand in dieser Jahreszeit. Nebenbei erfahren wir noch einiges über die Preisbildung bei Trüffeln und das die berühmten Umbrischen Trüffel im wesentlichen aus der Basilicata kommen.
Dann gibt es lecker Abendessen - leider mit einem kleinen Mißverständnis. Die Wirtin möchte uns ihren Hauswein servieren und fragt, ob wir mezzo litro oder un litro wollen. Ich bitte um
0,75 l, aber das kommt bei ihr an, als wollte ich eine Flasche abgefüllten Wein. Da war sie ein bißchen traurig, aber wir konnten es nicht mehr richtigstellen, die Flasche Aglianico del Vulture stand schon auf dem Tisch.
Als Abschiedsgeschenk hat uns der Sohn des Hauses noch Kirschkerne auf die Sättel gelegt.
Ippoturismo“La Fattoria del Conte”, im Privathaus: € 24,-, , Abendessen ca. € 38,50
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Campomaggiore - Vaglio Basilicata

Der erste Blick zum Himmel macht Mut: Mehr Sonne, als Wolken. Es scheint ein guter Tag zu werden. Auch die Höhenmeter scheinen nicht so Zahlreich zu werden. Fehlt nur noch Brot. Also zum Alimentari und welches gekauft. Die freundliche Verkäuferin hat aber kein Brot. Das Brot ist noch al forno, läßt sie uns wissen. Der Ofen ist nur ein paar Häuser weiter, doch die Bäcker haben erst die erste Charge reingeschoben. Wir haben noch Pane von gestern. Mit frischer Mortadella und Tomaten wird es schon schmecken.

Wir steigen auf 990 m und fahren wieder ab durch Eichenwälder und dann an Feldern voll mit Mohnblumen. Es regnet nicht. Die Lucanischen Dolomiten bleiben noch lange im Blick.
In Vaglio fragen wir nach einer Unterkunft, aber im Ort gibt es keine. Man nennt uns zwei Agroturismi, von denen das erste geschlossen ist und das zweite noch ein ganzes Stück entfernt. Schließlich finden wir es weit draußen und sehr einsam gelegen. Es ist ausgebucht - irgendein Audi-Club hat das Agriturismo komplett gemietet und die Angestellten haben alle Hände voll zu tun. Unsere Gesichter müssen wohl ziemlich lang sein, denn der Chef verspricht uns nun doch ein Zimmer. Aber frühestens in einer Stunde. Inzwischen werden wir im Gastraum - mitten unter den im feinen Zwirn speisenden Audi-Piloten - mit Wein, Wasser und Focacica bewirtet. Inzwischen vertreibt uns Roberta, ein Wirbelwind, die Zeit. Das lebhafte Mädchen, daß sich selbst als Tempesta bezeichnet, will viel von uns wissen und erzählt viel von sich - und steht nie still dabei. Ihr Vater, der als Vermesser bei Ausgrabungen in Vaglio arbeitet, kommt auch dazu und läd uns zur Ausgrabungsstätte ein. Doch das paßt nicht in unseren Zeitplan.

Das Abendessen ist sensationell. Der Kellner freut sich so darüber, wie es uns schmeckt, daß er immer neue Kösltlichkeiten auftischt: Einen Teler mit Schinken und Salsicce, Antipasti, Focaccio, Kartoffeln mit frittierten Peperoncini, Fritelle di Baccla (?), Parmigiano, Rustico Ricotta (gebacken mit Kräutern und Schinken), frittierte Mozzarella, eine Art Spinat in Öl, Spaghetti ai Funghi, Agniello. Wir kapitulieren mt einem Caffè.
Agriturismo “La Dimora dei Cavalieri”, : € 90-, mit Abendessen
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Vaglio Basilicata - Lagopesole
6:00 ist der Himmel strahlend blau und es ist noch ganz still; nur die Vögel zwitschern. Das wird auch eine Weile so bleiben, denn es ist Pfingstsonntag. Heute bekommen Arme und Gesicht wieder Sonnencreme. Gestern haben wir uns einen Weg zurechtgebastelt, doch der stellt sich als Feldweg heraus, der im Schlamm endet. So fahren wir einen gewaltigen Umweg. Der hat sich aber gelohnt. Ohne ihn wären wir nicht nach Pietragalla gekommen.

Da waren wir schon einmal mit dem Auto und hatten die Palmenti für Wohnhöhlen gehalten. Heute erklärt uns aber ein Mann, daß es sich um Gebäude handelt, in denen schon seit Jahrhunderten Wein gemacht wird. Vom Zerstampfen der Trauben mit den Füßen bis zur Abfüllung. Ganz wichtig ist - sagt er - daß es Tuffstein ist; sonst schmeckt der Wein nicht. Nach dem Rundgang fragt er uns, ob wir eine Flasche Wein haben wollen. Na klar!! Er wäre in fünf Minuten wieder da. Nach einer viertel Stunde erscheint er tatsächlich wieder und präsentiert eine Kunststoffflasche mit gerade aus dem Faß gezapften Wein. Wir müssen kosten. Obwohl der Wein noch ganz jung ist - von der letzten Lese - und noch ein wenig süß schmeckt, ist er sehr lecker. Wir belassen es bei einem kleinen Schluck, denn wir müssen noch ein wenig radeln. Zum Schluß läd er uns für Ende September zum Weinfest ein.

Dann geht es ganz leicht weiter bis San Nicola. Dort geraten wir fast auf die zweispurige SS 658. Wir kriegen aber gerade noch die Kurve und fahren auf der SR 93 in Richtung Vulture. Es wird drückend heiß und schwül und genau passend dazu erblicken wir einen mit bunten Kugeln geschmückten Tannenbaum. Wir erreichen Castel Lagopesole. Die Burg steht mächtig in der Landschaft . Gewitterwolken ziehen auf und wir denken langsam an die Quartiersuche. Das nächste Agriturismo weist uns ab - Erstkommunion. Bis zum nächsten sind es noch ein paar Kilometer und auf dem Weg dorthin taucht allmählich der Monte Vulture, der erloschene Vulkan, auf. Auch im nächsten Agriturismo ist Erstkommunion und auf dem Platz stehen ungefähr 50 Autos. Wir sehen unsere Felle schwimmen. Doch der freundliche Wirt zeigt uns gleich unser Zimmer und ist auch einverstanden, daß wir zum Abendessen kommen. Als es Abend wird verziehen sich die Gewitterwolken und Kommunionsgäste. Beim Abendessen sind wir ganz allein.


Agriturismo “La Valle dei Cavalli”, : € 90-, mit Abendessen (Lecker!)
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Lagopesole - Laghi di Monticcio
Am Morgen ist es unter dem blauen Himmel schon sehr warm. Bezahlt haben wir schon gestern Abend und so können wir die Zeit, da die Sonne noch nicht so brennt, nutzen, um ein paar Kilometer zu machen. Es ist leichter, als gedacht, denn erst einmal geht es nur abwärts. Mit der Sonne hat sich auch der Mohn herausgewagt und erfreut uns auf dem ganzen Weg mit seinem leuchtenden Rot. Nächstes Ziel ist Rionero - ein schrecklich lauter Ort. Nicht das, was wir auf unseren Touren brauchen. Wir verlassen Rionero auf der SP167 nachdem wir uns mit Obst eingedeckt haben und steuern den Vulkan an. Unterwegs hält ein Auto und wir werden gefragt, ob wir zum Campingplatz wollen. Das wissen wir noch gar nicht so genau. Vorsichtshalber sagen wir ja. Er wäre der Chef des Zeltplatzes und wäre 12:00 da. Wir klettern weiter auf 850 m. Ab jetzt geht es sehr steil bergab - bis in den Vulkankrater. Erst als wir fast uWundenten sind, können wir die beiden Laghi sehen. Wunderschön. Nur die vielen bunten Buden stören. Glücklicherweise ist es kein Wochenende. So sind wir fast die Einzigen hier und auch die meisten Buden sind geschlossen. Einen Caffè nehmen wir aber.

Wir haben uns entschlossen, ins Hotel zu gehen - die Bequemlichkeit hat gesiegt. Wir fragen nach dem Weg dorthin und werden um den großen See geschickt, 5 km. Gerade sind wir losgefahren fragt uns ein Budenbesitzer, wo wir hinwollen. Zum Hotel ! “Falsche Richtung. Umdrehen, an der Klosterruine vorbei und nach 500 m steht Ihr vor dem Hotel.” So einfach kann es sein. Das Hotel ist klasse. wir sind wieder die einzigen Gäste und werden sehr herzlich aufgenommen. Der Pool ist leider nicht benutzbar, denn er wurde gerade frisch gechlort. Wir drehen noch eine Runde um die Seen und lassen den Tag ausklingen.


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Laghi di Monticchio - Melfi (Potenza)

Der letzte Tag. Petrus will uns wohl um Verzeihung bitten. Es ist sonnig, doch angenehm kühl. Wir sind erst 7:30 aufgestanden, denn heute ist nicht viel zu fahren und außerdem geht es fast nur bergab. Der Abschied von der Wirtin ist herzlich nachdemich ihr gesagt habe, daß der Fisch, den sie uns gestern serviert hat auf Deutsch Wolfsbarsch heißt. Sie ist etwas verwundert und fragt “Lupo?” Dann muß sie lachen.
Ein letzter Anstieg, eine letzte Abfahrt; Melfi ist erreicht. Ein wenig spüren wir den Hauch von Geschichte. Aber wir werden schnell von der Gegenwart eingeholt: Das Castello ist Museum und wir müßten Eintritt bezahlen, auch wenn wir nur mal kurz den Innenhof besichtigen wollen.

Wir schlendern durch Melfi und haben noch eine nette Begegnung: Ich will gerade einen Türklopfer fotografieren, da fragt mich eine Frau mißtrauisch, was ich da mache. Der Hausbesitzer wird gleich kommen. Ich erkläre ihr, daß ich nur fotografiere. Da wird sie ganz freundlich und fragt nach dem Woher und Wohin. Wir sollen noch ein Foto machen und es ihr schicken. Das haben wir gern gemacht. Nachdem wir uns mit Peperoncini (dolce) eingedeckt und eine letzte Pasta genossen haben, fahren wir zum Bahnhof. Der Zug bringt uns nach Potenza und der Stress hat uns wieder.
Eine Stunde brauchen wir, um in der Auskunft eine Verbindung nach Rom herauszubekommen und die entsprechenden Fahrkarten zu kaufen. Dann beginnt die Hotelsuche - es ist Feierabenverkehr. Wir irren durch die Stadt und lassen uns irgendwann den Weg zum nächsten Hotel beschreiben. Wir haben Glück. Das Hotel ist gut und günstig und ein Supermarkt ist auch in der Nähe; zum Essengehen haben wir heute keine Lust mehr. Weil es sehr warm ist genießen wir den großen Deckenventilator im Zimmer. Nur als es dunkel wird und wir das Licht anschalten müssen, müssen wir uns zwischen Ventilator oder Licht entscheiden. Sonst haben wir Discolicht. Der Ventilator ist direkt unter der Lampe.

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Heimreise
Am Abend hatte ich mir noch versichern lassen, daß das Hotel so früh am Morgen offen ist, doch als ich die Räder beladen will, sind die Türen verschlossen. Schöner Mist! Ich versuche gerade einen Notfallplan zu erstellen - der Nachtzug von Rom wird nicht auf uns warten - schlürft ein schlaftrunkener Hotelangestellter in Pullover und Pantoffeln heran und schließt wortlos die Tür auf. Ob wir einen Caffè haben können? “Si, certo.” Alles wird gut.
Wir sind zeitig genug im Bahnhof und können noch mit zwei Eisenbahnern plauschen. Einer ist sehr interessiert und fragt uns nach den Stationen unseres Giro. “Ah, Campomaggiore, da lebt mein Bruder, der ist dort Friseur, habt Ihr den getroffen?” Natürlich nicht, aber daß wir in Campomaggiore waren, ist ihm zwei Caffè wert. ...Und wenn wir nach Neapel wollten, müßten wir jetzt in diesen Zug einsteigen. Weise schütteln wir den Kopf, denn wir haben uns ja gestern in einer einstündigen Aktion die richtige Verbindung heraussuchen lassen. Ein Zug um diese Zeit war nicht dabei. Nach einigem Hin und Her lassen wir uns überzeugen und ein Blick auf den Fahrplanaushang nimmt die letzten Zweifel. Wir fahren ohne umzusteigen in einem fast leeren Zug nach Neapel. Warum wußte das der Mann in der Auskunft nicht? Und warum habe ich nicht einfach auf den Fahrplan geschaut???

Wir sind Pünktlich in Rom und haben noch viel Zeit bis zum Nachtzug nach München. Auf zum Campo dei Fiori. Wir brauchen wieder Gewürze von Mauro. Im vorigen Jahr waren wir an einem Sonntag in Rom und Sonntags ist kein Markt. Heute ist Mittwoch ...doch 13:00 schließt der Markt und wir stehen wieder ohne Gewürze da. Wenigstens bekommen wir unser Pistazieneis im “Blue Eyes”
Das Radabteil im Nachtzug - ausgelegt für acht Räder- muß 14 davon aufnehmen. Wir haben nicht einmal eine Radkarte. Wir haben den Trick noch nicht herausgefunden, wie man solche bekommt. In Deutschland bekommen wir die Auskunft, daß wir die in Rom kaufen müssen, in Rom sagt man uns, daß es für diesen Zug keine gebe. Rätselhaftes Eisenbahnwesen.
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