Italia nell cuore

Abruzzo 2008

Ein Bericht unserer Italientour (2008). Dieses Mal der erste Teil der Abruzzen.


“... zufrieden, daß wir endlich einmal an einem Orte sind, wo uns das gewöhnliche Reisegesindel, haushohe Kutschen voll englischer Familien, alles wegpinselnde Landschaftsmaler, geschmacklose Antiquare und süddeutsche Magister nicht mehr stören.” (W.F.Waiblinger Anfang 19. Jahrhundert)


Die Tour auf Bikemap.net


Das Land

Die Abruzzen - mitten in Italien. Nicht zu weit im Norden, so daß man fast noch zu Hause wäre. Nicht zu tief im Süden, so daß die Anreise noch erträglich ist.
Die Abruzzen - wir meinen damit immer die Berge - bieten sehr viel:

                    

Berge - rauh und doch sanft                                                                              Seen - klar wie Kinderaugen


Orte, wie aus einem Märchen

                    

Gaumenfreuden für jeden                                                                                 Straßen - fast nur für Radler

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Anreise

8:00 ging es von zu Hause los Richtung Dresden Hauptbahnhof. Die Temperaturen waren angenehm - wir sollten uns noch nach ihnen sehnen. Wie Sonntags zu erwarten, waren die Züge übervoll mit Rädern.Doch die Radlersolidarität greift immer. Die Bahnverbindungen bis München hatten wir uns ausdrucken lassen. Es ist ja nicht ganz einfach, mit Rädern nach München zu kommen. Mehrmaliges Umsteigen ist angesagt. Und dann teilte uns ein Schaffner mit, daß alles das Papier nicht wert war, auf dem es gedruckt war. Gut, daß wir noch einmal gefragt hatten. Wir mußten außerplanmäßig in Reichenbach aus dem Zug, sonst hätten wir in Hof keinen Anschluß gehabt und den Nachtzug nach Rom verpaßt. In München empfingen uns dann schwüle 35°. Trotzdem erst einmal einen Kaffee. Die Zeit bis zum Rom-Zug war noch lang.

                                                                    

Nach Rom dauert es immer endlos lange, zumal die Schwüle nicht abnahm und der Zug - wie immer - ständig voller wurde. Und dann kam auch noch ab Verona eine saftige Verspätung dazu. Der Anschluß in Rom war weg. Der nächste Zug Richtung Abruzzen fuhr Stunden später ab Rom Tiburtina. Umsteigen in Avezzano und Sulmona und nach Ewigkeiten endlich L´Aquila. Jetzt nur noch schnell zum Hotel (wir hatten über hrs.de vorgebucht, funktioniert genial und ist deutlich billiger als die Buchung vor Ort) und die Füße hoch. Das Hotel war aber nicht in L`Aquila, sondern in einem Vorort. Kein Mensch wußte, wo das sein sollte. Dann endlich nach 46 Stunden auf den Beinen hatten wir es geschafft. Am nächsten Tag sollte es zum Lago di Campotosto gehen....(???)

                                    

Übernachtung: Hotel La Compagnia del Viaggiatore die Roberto Tomei. Doppelzimmer €57,80 (über hrs.de gebucht, gute Qualität, Pool,Essen ok.

19,9 km

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L'Aquila - Lago di Campotosto


Nach einem für italienische Verhältnisse reichhaltigen Frühstück ging es 8:00 los. L`Aquila hatten wir ja am Vorabend schon verlassen und so ging es ohne viel Verkehr auf der “80” Richtung Pizzoli. Morgens sind die Temperaturen noch angenehm. Zuerst war die Strecke auch noch flach und so kamen wir gut voran.

                                                     

Kurz nach den Ausgrabungen von Amiternum stößt man auf die “260”, verläßt sie aber nach wenigen Metern wieder, um der “80” weiter nach Arischia zu folgen. Bei Arischia erreicht man dann den Eingang zum Parco Nazionale und die vermeintliche Einfahrt in den Ort. Wir hatten uns noch nicht für den Tag versorgt, also wollten wir Wasser und Obst fassen. Nach steilen Serpentinen gelangt man in den Ort und zum Alimentari um dann festzustellen, daß der Laden fast direkt an der “80” liegt. MERKE: Wegweiser und Entfernungsangaben in Italien sind mit größtem Mißtrauen zu betrachten. Die Karten stimmen immer.

     

Weiter geht es hinauf und plötzlich ist der Wald zu Ende. Man steht an einem schattenspendenden Forsthaus der Nationalparkverwaltung. Hier bekommt man schon eine Ahnung von den Schönheiten, die noch kommen sollen.

      



Übernachtung: Agricampeggio “Cardito”. € 15,-
36,4 km, Schnitt 10,3 km/h 

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Lago di Campotosto - Fonte Cereto

Heute soll es nicht so anstrengend werden. Der Tag beginnt mit herrlichem Sonnenschein bei kühlen Temperaturen und einem grandiosen blick auf den See und den Gran Sasso mit dem Monte Corvo.Wir müssen zurück zum Valico delle Capanelle, wollen aber einen anderen Weg als am Vortag fahren. Erst geht es noch ein letztes Stück hinauf und nun wird der Blick frei in das wolkenverhangene Tal. Da wollen wir hin. Nur ist es nicht ganz so einfach bei 18 ... 20% Gefälle über eine schlimme Holperstraße zu fahren. Und nach wenigen Kilometern und mit etwas zu wenig Luft im Hinterreifen ist dann auch die erste (und letzte) Panne da. Das Ventil ist abgerissen.

Merke: Immer schön auf den Luftdruck achten und Ersatzschläuche mitnehmen.


In Capitignano gibt es erst einmal Frühstück und Berichte von den Bewohnern, daß es gerstern, als wir uns unterstellen mußten, auf dieser Seite des Berges schlimm gehagelt hat. Na gut, denken wir, das ging an uns vorbei

.Merke: Nie die Tour vor dem Ende loben.

Vom Ort aus steigt die Straße allmählich auf 11km bis zum Valico delle Capanelle an. Die Sonne sticht und allmählich wird es auch schwül. Da kommt auf halber Strecke zum Pass eine kleine Kapelle mit Quelle gerade recht.

        

Am Pass steht die Sonne dann fast senkrecht und es geht wieder richtig bergauf. Nur ein kleines Stück denken wir anfangs, aber es wird ganz schön lang. Die Belohnung folgt auf dem Fuß. Eine Zauberhafte Landschaft tut sich auf. So etwas Schönes haben wir noch nie zuvor gesehen. Doch das ist erst der Anfang. Für heute geht es fast nur noch bergab. bis auf einen kleinen Schauer auf halber Strecke meint es auch das Wetter mit uns gut. Die letzten 1,5 km bis zum Zeltplatz wird es noch einmal anstrengend, aber den Kopf voller herrlicher Bilder schaffen wir das auch noch.

Eigentlich wollen wir am nächsten Tag mit der Seilbahn zum Campo Imperatore, doch die Bahn wird repariert. Per fortuna!!! Nach den Erfahrungen dieser Tour fahren wir im nächsten Jahr mit den Rädern die Pantani-Strecke zum Campo ´rauf.

Übernachtung: Camping “Funiva del Gran Sasso. ca. € 20,-, Die Chefin hat für uns aus Fonte Cereto Abendbrot geholt und man konnte für den nächsten Morgen Brötchen bestellen. Die Sanitären Anlagen sind gewöhnungsbedürftig und in Stoßzeiten muß man zum Duschen anstehen.

36,2 km, Schnitt 10,3 km/h

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Fonte Cereto - Santa Stefano di Sessanio

Frühstück gibt es heute 7:45 in der freundlichen Bar oberhalb des Zeltplatzes. Es wird sogar ein extra Teller abruzzisches Gebäck serviert - a casa. Die zusätzliche Stärkung - ganz abgesehen davon, daß es wunderbar schmeckt - kommt uns gelegen, denn heute soll es von 1150m auf 1700 m gehen. Wir folgen der 17bis, die uns hinauf in eine Märchenlandschaft bringt. Kein Mensch, kein Baum - nur einige Autos mit Wolfsburger Kennzeichen, in denen Leute mit Laptops sitzen und ab und zu ein mit Planen verhüllter “Erlkönig”. Wahrscheinlich der neue GOLF, der letzten Tests unterzogen wurde. Eine einsamere Gegend für ihre geheime Mission konnten die sich nicht aussuchen.

Die Sonne brennt und in der Höhe ist die UV-Strahlung auf der Haut fast unerträglich. Der Fahrtwind beim Berganfahren hält sich in Grenzen und auch die Fliegen, die immer zahlreicher werden und uns mit ihrem Brummen fast die gesamte Etappe begleiten, bringen mit ihrem Flügelschlag keine Kühlung. Die Landschaft jedoch entschädigt für alles.

Manchmal haben wir wirklich den Eindruck, uns in Tibet zu befinden. Das Wetter allerdings scheint uns den Tag verderben zu wollen. An der Kreuzung zum Campo Imperatore, dem höchsten Punkt des heutigen Tages, ist es schon recht dunstig, und als wir den Abzweig nach Santa Stefano fahren, ist es fast sicher, daß da noch etwas kommt.

Inzwischen lenkt aber der grandiose Blick auf den Gran Sasso von allen Befürchtungen ab. Doch dann ist es soweit. Auf der Abfahrt nach Santa Stefano bricht es los. Blitze schlagen rings um uns ein, Sturzbäche vom Himmel durchnässen uns innerhalb von Sekunden. Und der Höhepunkt: Kirschkerngroße Hagelkörner prasseln 20 Minuten lang auf uns ein. Ein kleiner Busch bietet uns absolut keinen Schutz. Und während wir den Naturgewalten ausgesetzt sind, ist kein Ende abzusehen. Merke: Auch noch so moderne Regenschutzkleidung ist gegen ein solches Unwetter machtlos. Merke weiter: Eine Folie für den ganzen Körper oder ähnliches sollte in so einer Gegend zur Ausrüstung gehören.

     

 

 Ein weiser Entschluß. Nach der Stadtbesichtigung schlägt Petrus wieder richtig zu. Ohne Grandine zwar, doch mit viel mehr Wasser als vorhin. Von unserem Zelt wäre nicht viel übriggeblieben. Irgendwann ist auch der Strom weg. Es dauert eine Weile, bis er wieder da ist. Mit Taschlampen planen wir den nächsten Tag. Zu Abend essen können wir “alle otto” und auch zu unserem Wein kommen wir.Hoffentlich trocknen die Sachen bis zum Morgen, denn es ist wieder schlimmes Wetter angesagt.


Übernachtung: “La Locanda sul Lago” € 70,-,

35 km, Schnitt 11 km/h

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Santa Stefano die Sessanio - Castel del Monte


Abschied von Santa Stefano. Nach einer Nacht ohne Strom, dafür mit stundenlangem Hundegebell liegt heute ein leichter Tag vor uns. Heute wollen wir uns etwas mehr Zeit nehmen für eine Ortsbesichtigung. Bis Castel del Monte ist es nicht weit und auch die Höhenmeter halten sich in Grenzen. Petrus will wohl einiges gutmachen. Die Temperaturen sind sehr angenehm und der Himmel leuchtet azzurro. Bis Calascio geht die Straße - wieder fast ohne Autos - leicht bergab, nur vor dem Ort steigt sie etwas an. Kurzer Städtchenrundgang und Pflichtcappucci und schon geht es weiter. Vorbei an Rocca di Calascio, eine wunderschöne Burg mit Rifugio, die wir uns für das nächste Jahr aufheben.

Castel del Monte sieht man lange bevor man es erreicht. Wir freuen uns auf einen schönen Abend vor dem Zelt.

 Auf der Piazza fragen wir nach dem Zeltplatz. Die Antwort ist identisch mit der gestrigen: “Chiuso”. Aber es gibt ein kleines Hotel “Zum Wolf” für € 50,-. Das nehmen wir und sind zufrieden. Wer weiß, vielleicht schüttet es ja heute Nacht wieder. Castel del Monte erweist sich wie Santa Stefano als ein Labyrinth und wir sind froh, genügend Zeit zu haben. Auch zum Abendessen. Es gibt viel Salat und natürlich agnello alla brace mit mezzo litro vino rosso.


                                       

Die halbe Nacht verbringen wir ohne Strom - irgendwo in den Bergen tobt ein schweres Unwetter. Die Routenplanung für den nächsten Tag erledigen wir mit der Taschenlampe. Dann ist zwar Schlafenszeit, nur schlafen können wir nicht. Ein Hund kläfft fast die ganze Nacht vor unserem Fenster. Mit Pausen. Gerade lang genug, um einzuschlafen. Doch die Bellerei geht immer wieder los bis ich mich entschließe, durch energisches Auftreten vor dem Hund auf der Straße Eindruck zu machen. Es gelingt mir. Der Schlaf ist gerettet.

   

Übernachtung: “Osteria del Lupo” € 50,-, Küche ausgezeichnet!
16 km, Schnitt 12 km/h

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Castel del Monte - Popoli

Heute geht es abwärts bis auf 230 m. Nichts Anstrengendes, aber ein gutes Frühstück wäre trotzdem nicht schlecht. Das gibt es jedoch erst ab genau 8:00 und ist noch dazu ein italienisches. Was wir noch nicht wissen: In Villa Santa Maria wartet schon das richtige Morgenmahl auf uns. Bis dahin geht es sempre giu. Weil die Unterarme vom Bremsen schmerzen, machen wir in dem Städtchen halt und finden einen wunderbar sortierten Marktstand. Kulinarisch ist der Tag im Lot.

    


    


Weiter geht es ins Tal. Und mit jedem Meter wird die Hitze drückender. Wir sehnen uns in die Berge zurück. Ab Ofena geht es wieder aufwärts - allerdings erst einmal auf einer Superstrada. Ein Olivenhain spendet wenigstens ein wenig Schatten. Nächstes Ziel ist Navelli, der Ort des Safrans. Die Blüte ist leider schon vorbei und der Ort ist wie ausgestorben. Gerade noch bekommen wir unseren Cappuccino, dann ist auch die Bar geschlossen.

     

Popoli ist dann nicht wirklich eine Offenbarung. Vielleicht liegt es ja auch an der Schwüle, daß wir die Stadt nicht so toll finden. Ein günstiges Hotel ist nicht weit vom Centro entfernt. Das “Tre Monti” erinnert mich ein wenig an den Charme von DDR-Hotels. Der Empfang war aber sehr freundlich und die Räder konnten wir auch im Hotel unterbringen. Der Clou war die Klimaanlage, an die wir uns später mit Wehmut zurückerinnern werden. Unglaubliche 18°C ließen uns die Hitze draußen vergessen.

 

Übernachtung: “Hotel Tre Monti” € 65,-, Küche = Supermercato
54 km, Schnitt 15 km/h

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Popoli - Lago di Scanno


Der Tag beginnt wie oft mit einem typischen Italienischen Frühstück, aber die nächste Bar ist glücklicherweise nicht weit. Heute wollen wir ein Stück mit dem Zug fahren; die Strecke nach Sulmona verspricht außer viel Verkehr nichts wirklich Interessantes. Im Bahnhof ist der Fahrkartenschalter geschlossen und der Automat kaputt. Einzige Möglichkeit ist ein Tabacchi in der Stadt. Da können wir gleich nach Sulmona radeln. Es ist nicht weit und ziemlich eben, doch der Verkehr ist teilweise beängstigend. Wenigstens von Sulmona aus wollen wir uns unserem heutigen Ziel ein Stück mit la ferrovia nähern. Der nächste Zug fährt jedoch erst Stunden später. so kommen wir in den Genuß einer wunderschönen Strecke - jedenfalls ab Anversa, wo wir erst einmal eine längere Pause machen. Am Ortsausgang von Sulmona ist übrigens eine kleine Sehenswürdigkeit: Confetti di Sulmona (Foto links). Kann man alles Essen. Viele Schulklassen standen Schlange.

             

Dann geht es erst einmal etwas eintönig zu, doch dann bietet sich ab Anversa erst ein herrliches Panorama, dann eine genial geführte Straße und schließlich ein Lago di Scanno, der alles zu bieten hat, was ein Hochgebirgsee bieten kann: Klares tiefblaues Wasser, Gipfel ringsum, den Zeltplatz “i Lupi”,einen Sonnenuntergang vom Feinsten und schließlich ein Agriturismo mit Abendessen, wie es kaum besser sein kann. La cena gibt es zwar erst wie immer alle otto, doch nach einem Spaziergang am See und dem ausgiebigen Betrachten des Tierbestandes schmeckt es nochmal so gut.

      

     

Übernachtung: Zeltplatz “I Lupi” € 18,-, Küche = Agriturismo ca. € 60,- (hmmmmm!)
51 km, Schnitt 12,4 km/h 

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Lago di Scanno - Opi


6:00 ist die Nacht zu Ende, doch heute treibt uns nichts. Zwar steht ein schwerer Pass bevor, doch danach geht es nur bergab. So genießen wir den wieder einmal herrlichen Sonnenaufgang. Am nächsten Hotel gibt es Cappuccino für € 2,50. Schön doof, denn nur ein paar Kilometer weiter, in Scanno, gibt es eine nette Bar und es ist ein Festtag im Ort. So genießen wir das Frühstück mit Blasmusik und vielen Menschen. Aus Scanno heraus geht es nur schiebend weiter. Der Anstieg ist so heftig, daß wir erstens nicht können und zweitens Angst um unsere Ketten haben. Gut daß wir gegessen haben; bis zum Godi-Pass schlaucht es ganz schön. Aber oben ist es ein gutes Gefühl, es geschafft zu haben. Eigentlich könnten wir noch etwas bergauf fahren, doch ab jetzt geht es nur noch nach unten zum Lago di Barrea. Unterwegs treffen wir noch einen Holländer, mit dem sich ein angenehmes und langes Gespräch entspinnt. Er hat seine zweite Heimat in den Abruzzen genommen und ist damit einer der glücklichsten Menschen der Welt. Wir verstehen das nur zu gut.

     

Wunderschöne Landschaft bietet sich bis zum Lago di Barrea. Wir müssen immer wieder anhalten, um uns satt zu schauen - auch weil die Unterarme vom Bremsen schmerzen.

   

Vom Lago bis zum Zeltplatz kurz vor Opi ist es eher langweilig. Wir treten trotzdem kräftig in die Pedale, weil wir Hunger haben und uns auf ein schönes Abendbrot freuen. 15:30 sind wir an der “Alten Mühle” Es ist Sonntag und der Platz ist voll von Wochenendcampern. Wir lassen uns Zeit mit dem Zeltbau, Die Wäscheleine wird wie immer gespannt und Duschen ist auch erst einmal wichtig. Dann ist der Platz plötzlich leer. Fast alle sind nach Hause gefahren. Schön, da haben wir ein ruhiges Abendbrot. Doch das Restaurant ist geschlossen - ist ja auch niemand mehr da. Nach etwas zureden bekommen wir noch ein paar scheiben Brot und etwas Schinken. Unser teuerstes Essen während der gesamten Tour: € 10,- hat uns der Wirt für das Hungermahl abgenommen.


Übernachtung: Zeltplatz “Il Vecchio Mulino” € 20,-, Küche = siehe oben
42 km, Schnitt 12,3 km/h

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Opi - Sora


Ein trauriger Tag - der letzte in den Abruzzen. Heute geht es ins Lazio. Zeitig am Morgen fahren wir hinauf nach Opi, obwohl es nicht am Weg liegt. Es lohnt sich. Ein gutes Frühstück, ein schöner Ort mit herrlichen Ausblicken und vor allem köstlichem Gebäck. 12 Km geht es in Serpentinen hinauf zur “Forca d´Acero” (1535m). Dort ist Abruzzo zu Ende.Dafür geht es dann nur noch abwärts.


 

Die Abfahrt bietet wunderschöne Blicke ins Land. Es wird allerdings auch immer wärmer und unten angekommen erschlägt uns eine Schwüle, wie wir sie in Italien noch nicht hatten. Die Stadt Sora ist wirklich keine Offenbarung. Ein Gewerbegebiet mit ein paar alten Häusern. Aber vielleicht waren wir auch nur zu faul, den Ort richtig zu erkunden. 

   

Einzige Übernachtungsmöglichkeit ist das Hotel “Valentino” an einer Ausfallstraße. Die Leute sind freundlich; wir dürfen die Räder im Hotelkeller abstellen. Die Klimaanlage, auf die wir so gehofft hatten, ist kaputt und das Frühstück am nächsten Morgen ist der Höhepunkt Italienischer Hotelfrühstücke: Kaffee und etwas später Zwieback.

      

      













Übernachtung: Hotel “Valentino” € 80,-, Küche = Supermarkt
50 km, Schnitt 14 km/h

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Sora - Collepardo


Nur schnell raus aus Sora und wieder hinein in die Berge. Am Morgen ist der Himmel trüb und dicke Wolken ziehen auf. Also schnell die Vorräte aufgefüllt und los, damit wir bis zum Regen möglichst weit kommen. Doch nicht der Regen, sondern die nicht ganz aktuelle Karte macht uns Probleme. Wir finden uns auf einer Superstrada, deren Asphaltdecke noch warm ist.Und es geht immer nur abwärts, so daß wir viel an Höhe verlieren, die wir nun zusätzlich bezwingen müssen.

       

Doch der zweite Teil der Strecke entschädigt für alle Anstrengungen. Wunderschöne Landschaften passieren wir auf dem Weg nach Collepardo. Und der Ort selbst ist ein Traum. Das Centro Storico läßt uns nicht wieder los. Einmal, weil man sich da herrlich verlaufen kann und zum anderen, weil es so schön ist. 

   

Vor den Genuß haben die Götter ja bekanntlich die Suche nach einem Zeltplatz gestellt, aber auch hier ist der, wie so oft bei dieser Tour chiuso. Der Bürgermeister persönlich kümmert sich um unser Wohlergehen. Nach einigen Telefonaten hat er ein Bed & Breakfast für uns aufgetan, das keine Wünsche offenlässt. Er bringt uns auch noch persönlich hin ... siehe oben, man kann sich schnell verlaufen.

   

 Das Abendbrot aus dem Alimentari schmeckt nach der Anstrengung köstlich und der kleine Plausch mit unserer Nachbarin macht auch Vergnügen. Bei der Streckenplanung für den nächsten Tag merken wir, daß die Tour sich langsam dem Ende zuneigt. Ein wenig traurig ist es schon. So schön Rom auch ist, es könnte von uns aus noch lange dauern, bis wir dort sind.

                 

Übernachtung: B&B "Maison Dina" € 60,-, Küche = Supermarkt
47 km, Schnitt 13 km/h

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Collepardo - Fiuggi

Ein sonniger Morgen begrüßt uns gegen 7:00. Frühstück ist wieder auf der Treppe vor dem B&B in der engen Gasse. Die Vermieterin hat uns für italienische Verhältnisse ein oppulentes Mahl bereitet. Auch eine Macchinetta ist da, so daß wir Caffè in beliebiger Menge brauen können.Viel haben wir heute nicht vor, wir können uns Zeit lassen.

Wir verlassen den freundlichen Ort über eine extrem steile Straße, auf der wir teilweise sogar schieben müssen. Dann wird es eben und später geht es fast nur noch abwärts.Vico nel Lacio ist der letzte schöne Ort vor Fiuggi und wir genießen ihn noch es noch einmal richtig. Beim Erfrischen am Brunnen vergesse ich meine Mütze, die mir schon so gute Dienste gegen die stechende Sonne in der Höhe geleistet hat. Eine halbe Stunde später, in einer Kirche, drückt sie mir ein älterer Herr wieder in die Hand und verschwindet, bevor ich richtig grazie sagen kann. Noch einmal Wasser fassen im Alimentari und auf gehts nach Fiuggi.

     

Fiuggi muß man nicht gesehn haben. Es ist ein Italienisches Wiesbaden. Im Kurpark gibt es heiliges Wasser, daß im Sommer € 8,- und im Winter € 4,- kostet (jedenfalls so ungefähr). Ein Hotel am anderen und kein wirkliches Centro storico. Der Zeltplatz ist aber in Ordnung. Sogar einen Pool gibt es da. Eine wirkliche Erholung für die müden Knochen. Sogar Fittnessgeräte waren aufgebaut - die haben wir aber links liegengelassen. Am Abend hatten wir noch einen Plausch mit einem jungen Paar aus Frankreich, die gerade mit dem Tandem von einer China-Tour zurückgekommen waren.  

   

Übernachtung: "Eurocamping 2000",  € 18,50, Küche = Supermarkt
22 km, Schnitt 11 km/h


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Fiuggi - Bellegra


Einige Höhenmeter liegen noch vor uns - auf gehts. Das Wetter ist herrlich und erst einmal fahren wir bergab. Obwohl das Lazio auch schön ist, trauern wir doch “unseren” Abruzzen nach. Die Anstiege sind nicht mehr so lang und die Abfahrten nicht mehr so heftig. Auch die Menschen sind irgendwie anders. Das Straßennetz ist viel ausgebauter, das hat den Vorteil, daß wir uns immer ruhige Nebenstraßen aussuchen können.

   

Unser Ziel - Bellegra - liegt auf einem recht steilen Berg. Auf der Suche nach einem Hotel können wir nur durch den Ort schieben. Das Hotel selbst liegt aber im nächsten Tal. Die Räder dürfen wir im Hotelbüro abstellen und weil wir heute schon so zeitig am Ziel sind, machen wir noch einen Spaziergang zum nahegelegenen Kloster. Hinein dürfen wir leider nicht. Alle otto gehen wir zum Essen und werden nicht enttäuscht. Wieder einmal essen wir Agnello alla brace und es ist köstlich.

       

Übernachtung: Ristorante Albergo Sancamillo € 8000, Küche = vom Feinsten
35 km, Schnitt 12 km/h

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Bellergra - Tivoli


Der letzte Tourtag, die letzten Anstiege. Wir sind ein wenig traurig, daß alles schon wieder vorbei sein soll. Wir versuchen die verbliebenen Kilometer zu genießen, doch wenige Meter nach dem Hotel macht es der Seilzug meiner Schaltung nicht mehr. Ich kann die Ritzel nicht mehr schalten. Die Kette liegt auf dem mittleren Ritzel, so habe ich noch drei Gänge - das muß genügen.

Nach viel Auf und Ab erreichen wir Gerano und glauben, uns verfahren zu haben, doch ein freundlicher Herr weist uns den Weg nach Tivoli: sempre giu. Da geht noch ein Caffè. Und was für einer; der stärkste, den wir jemals in Italien getrunken haben. Die Zunge brennt und lechtzt nach Wasser.

 

Tivoli erschlägt uns mit Schwüle, Verkehr und Menschenmassen. Es ist Wochenende und halb Rom scheint hier zu sein. Wir quälen uns durch die Stadt und versuchen - nachdem wir uns mit Wein, Wasser und Lebensmitteln eingedeckt haben - den Weg zum Campeggio zu finden. Auf Google Earth sah es recht kurz aus, doch der Weg zieht sich durch Staub und Schwüle endlos. Wir sind am Ende unserer Kräfte. Endlich erreichen wir “La Cerra” und genießen die Blicke in die Landschaft. Doch vor die Ruhe hat der Herrgott den Zeltaufbau gestellt und der ist in “La Cerra” nahezu unmöglich. Merke: In “La Cerra Preßlufthammer mitnehmen” Der Boden ist dermaßen hart, daß weder Bodennadeln noch sonst irgendetwas in ihn eindringen. Wir haben die Zeltleinen dann an Steinen und Grillgittern befestigt.

   

Übernachtung: Azienda Agrituristica “La Cerra” € 24,00 Küche = gut, Hauswein sehr gewöhnungsbedürftig
42 km, Schnitt 14 km/h

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Heimfahrt

Mit dem Zug geht es nach Rom (Umsteigen in Tiburtina). In Termini will ich mich noch einmal vergewissern, daß der Zug nach München wirklich 19:10 fährt und auch gleich Fahrradkarten kaufen. Die freundliche Auskunft nach einer halben Stunde anstehen: 19:10 fährt nur ein Zug nach Wien und für die Fahrradkarten müsse ich an den internationalen Schalter. Panik - kein Zug nach München! Doch nach einigem Hin und Her erfahren wir, daß der Zug nach Wien zweigeteilt ist und eine Hälfte in Verona abgetrennt wird und nach München fährt. Ok - noch mal eine halbe Stunde anstellen und die Radkarten kaufen. Denkste: In Rom werden keine internationalen Radkarten verkauft. Il Controllore im Zug verkauft die. Jetzt endlich Rom bis zum Abend. Wir waren schon einmal für eine Woche da und wollen unsere Lieblingsplätze noch einmal besuchen. Aber nach zwei Wochen in den Abruzzen und den Bergen des Lazio ist Rom der Hammer. Zu viele Menschen, zu laut, zu heiß ...

Aber unser liebster Gewürzhändler Mauro auf dem Campo dei Fiori ist Pflicht. Für € 50,- kaufen wir unseren Jahresbedarf (hoffentlich reicht es).Auch der eisladen am Campo muß sein. Und die Räder vor der Spanischen Treppe zu fotografieren, lassen wir uns nicht nehmen. doch dann ist wirklich Schluß und wir warten nur noch auf die Abfahrt.

Die Erfahrungen

ACHTUNG! Abruzzenradeln macht süchtig, hat aber außer reiner Lebensfreude kaum Risiken und Nebenwirkungen.

- Bei der An- und Abreise mit Regionalzügen in Deutschland immer den Schaffner im Zug fragen. Auskünfte am heimischen Auskunftsschalter und dort ausgedruckte Fahrpläne sind regelmäßig und prinzipiell falsch.

- Den Nachtzug rechtzeitig buchen. Nach unserer Erfahrung wird es von Jahr zu Jahr schwieriger. Das Angebot an Stellplätzen für Fahrräder im Nachtzug wird auch immer geringer.

- Schaffner in Italienischen Zügen sind nicht immer freundlich.

- Grundkenntnisse der Italienischen Sprache sind in den Abruzzen Pflicht. Die Menschen dort sind sehr freundlich und hilfsbereit, doch wenn sie nichts verstehen, können sie auch nicht helfen. Uns hat unser weniges Italienisch sehr viel genutzt.

- Schläuche und eventuell andere Ersatzteile mitnehmen. Wir haben nicht einen Fahrradladen auf unserer Tur gesehen.

- Zeltplätze, die im vergangenen Jahr noch geöffnet waren, können geschlossen sein. Immer eine Übernachtungsalternative im Auge behalten. (Wer Erfahrungen mit dem Zelten in freier Natur in den Abruzzen hat, kann sich ja mal melden: dzickert@web.de)

- Unwetter in den Abruzzen können sehr heftig sein und können einen in einer Gegend ohne Häuser und Bäume ereilen. Wir werden ab jetzt immer eine Wasserdichte Plane in ausreichender Größe mitnehmen. Sie sollte auch mittlere Hagelkörner aushalten.